


Christiane Holm: Amor und Psyche. Die Erfindung eines Mythos in Kunst, Wissenschaft und Alltagskultur (1765-1840). Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 2006.
336 pages
49,90 EUR.
EAN 978-3422065543
Présentation de l'éditeur
Der Mythos von Amor und Psyche ist eine junge Errungenschaft, die vor etwa 250 Jahren aus disparatem antiken Material erarbeitet wurde.
Die besondere Konstellation der hellenistisch-römischen Amor und Psyche-Überlieferung gründet in der Differenz von Bild- und Textstrang: Unvermittelt nebeneinander stehen einerseits die dekorative Kleinkunst mit den tändelnden Kindern und andererseits die Romaneinlage aus Apuleius' Metamorphosen, die deren Erwachsenwerden erzählt. Im ausgehenden 18. Jahrhundert formierte sich eine europäische Amor und Psyche-Konjunktur in Kunst, Wissenschaft und Alltagskultur, die die Kluft zwischen Text und Bild zu schließen versuchte. Diese zunächst von geselligen Aneignungsformen der Antike initiierte, übergreifende Arbeit am Mythos reagierte auf die immer diffuser werdenden Vorstellungen von der menschlichen Psyche und speiste sich aus dem modernen Erkenntnisinteresse an der Pubertät als einer eigenen Lebensphase. Unter diesen Vorzeichen wurde von der fragmentarischen antiken Überlieferung auf einen geheimen Mysterienkult um Liebe und Jugend geschlossen.
Kunst und Literatur kam nun die Aufgabe zu, einen verlorenen Urmythos zu (re-)konstruieren. Angesichts der bildreichen Amor und Psyche-Tradition in Rom entstanden dort vieldiskutierte Entwürfe wie die empfindsamen Bilder von Angelika Kauffmann, der Amor und Psyche-Wettstreit von Antonio Canova und Bertel Thorvaldsen oder Christian Daniel Rauchs Porträt der elfjährigen Adelheid von Humboldt als Psyche. Auch die literarischen Aneignungen von Johann Wolfgang Goethe, Friederike Brun, Achim und Bettine von Arnim sowie von zahlreichen heute vergessenen Autorinnen und Autoren setzten sich mit den neuen Bildwerken auseinander und mündeten schließlich in die Debatte, ob Psyche sprachlichen oder bildlichen Ursprungs, ob sie Allegorie oder Symbol sei.
Sur l'auteur
Christine Holm ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am SFB Erinnerungskulturen, Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung, Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg.
Compte rendu
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